Praxis Dres. Kresse & Müller, Augenärzte

 

Glaukom


Glaukom oder Grüner Star

 

   

Bild mit freundlicher Genehmigung aus
Chibret Augenatlas, 1998

Was ist ein Glaukom?

In den Deutschland ist das Glaukom eine der Hauptursachen für Blindheit, besonders bei älteren Menschen. Der Verlust der Sehkraft kann jedoch vermieden werden, wenn das Leiden früh genug behandelt wird.
Das Glaukom ist eine Krankheit des Sehnervs. Der Sehnerv überträgt die Bilder, die wir sehen, zum Gehirn. Der wichtigste Faktor ist ein erhöhter Augeninnendruck; normalerweise ist der Augeninnendruck 11-22 mmHg. Je höher der Augendruck, desto größer die Gefahr, daß der Sehnerv geschädigt wird.
Der Sehnerv gleicht einem elektrischen Kabel, das eine riesige Anzahl von Drähten enthält. Das Glaukom kann diese Nervenfasern schädigen und das führt zu Gesichtsfelddefekten.
Vielfach bemerken Patienten diese Gesichtsfeldeinschränkungen nicht, bis der Sehnerv schon stark geschädigt ist. Wenn der ganze Nerv zerstört ist, ist Blindheit die Folge .
Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung durch Ihren Augenfacharzt sind die beiden wesentlichen Faktoren, eine Schädigung des Sehnervs und durch das Glaukom verursachte Blindheit zu verhindern.

 

   

Wodurch wird ein Glaukom verursacht?

Eine klare Flüssigkeit, genannt Kammerwasser, wird vom Strahlenkörper (Ciliarkörper) gebildet und über den Kammerwinkel (Trabekelwerk) aus dem Auge herausgefiltert. Diese Flüssigkeit ist nicht Teil der Tränen auf der äußeren Oberfläche des Auges. Man kann sich den Kammerwasserfluß im Auge wie ein Waschbecken vorstellen, bei dem der Wasserhahn immer angestellt ist.
Wenn das "Abflußrohr" verstopft wird, sammelt sich Wasser im Waschbecken und es bildet sich Druck (Augeninnendruck). Wenn der Abfluß des Auges, d.h. der Kammerwinkel (Trabekelwerk), blockiert ist, kann sich der Flüssigkeitsdruck im inneren Auge u.U. so verstärken, daß der Augendruck auf Werte über 30mmHg steigen und der Sehnerv geschädigt werden kann.

Das Kammerwasser wird im Zililarkörper gebildet, strömt von der hinteren Augenkammer durch die Pupille in die vordere Augenkammer und fließt im Kammerwinkel ab. Es liefert die Nährstoffe für Hornhaut und Linse.

Im Kammerwinkel fließt das Kammerwasser ab.

Bilder mit freundlicher Genehmigung aus Glaukom-Atlas, Pharmacia&Upjohn

Welche verschiedenen Arten von Glaukomen gibt es?

Chronisches Offenwinkelglaukom: Das primär chronische Offenwinkelglaukom ist die häufigste Art Glaukom und tritt bei entsprechend disponierten Menschen (Familienvorgeschichte!) typischerweise zwischen 40 und 60 Jahren auf. Das "Abflußrohr" oder der Kammerwinkel (Trabekelwerk) des Auges wird mit der Zeit weniger leistungsfähig und der Druck im Auge wird allmählich stärker (23-35 mmHg). Wenn dieser verstärkte Druck eine Schädigung des Sehnervs zur Folge hat, nennt man das ein chronisches Weitwinkelglaukom. Ein Großteil der erwachsenen Glaukompatienten haben diese Art Glaukom. Das primär chronische Offenwinkelglaukom kann das Gesichtsfeld einengen und dadurch die  Sehkraft allmählich und schmerzlos verringern; der Patient ist sich keiner Probleme bewußt, bis der Sehnerv bereits stark geschädigt ist.


Normaldruckglaukom: Bei dieser Glaukomform ist der Augeninnendruck im normalen Bereich, das heißt unter 23 mmHg, und trotzdem treten Schädigungen am Sehnerven auf.  Die Ursache dieser Glaukomform ist noch unklar. Man vermutet, daß Durchblutungsstörungen im Bereich der Netzhaut und des Sehnerven ursächlich beteiligt sind; wichtig scheint dabei ein nächtliches Absinken des Blutdrucks zu sein. Ähnlich zum chronischen Offenwinkelglaukom engt das Normaldruckglaukom das Gesichtsfeld ein und schädigt die Sehkraft allmählich und schmerzlos, ohne daß jemals erhöhte Augeninnendruckwerte gemessen werden.


Winkelblockglaukom: Durch Besonderheiten der Bauform mancher  Augen bedingt, kann der Kammerwinkel (das Abflusssystem) des Auges plötzlich vollständig blockiert werden. Dies geschieht durch eine plötzliche Pupillenerweiterung, z.B. durch Schreck, in der Nacht oder durch den Effekt von bestimmten Medikamenten. Dabei ist es so, als ob ein Blatt Papier, das in der Nähe eines Abflussrohrs herumschwimmt, sich plötzlich vor die Öffnung legt und den Abfluss aus dem Waschbecken blockiert. Die Iris oder Regenbogenhaut kann im Auge wie ein Blatt Papier fungieren, das den Kammerwinkel (Trabekelwerk) verschließt. Wenn sich der Augendruck rapide verstärkt, nennt man das ein akutes Winkelblockglaukom. Die Augeninnendruckwerte können auf bis zu 45 mmHg ansteigen. Die Symptome sind u.a.:

Wenn Sie eines dieser Symptome haben, rufen Sie sofort Ihren Facharzt für Augenkrankheiten an. Wenn ein Augenarzt ein akutes Winkelblockglaukom nicht schnell behandelt, kann das zur Erblindung führen.

Wie wird ein Glaukom festgestellt?

Regelmäßige Untersuchungen der Augen durch Ihren Facharzt für Augenkrankheiten sind die beste Weise, um ein Glaukom festzustellen. Ihr Augenarzt kann ein Glaukom feststellen und behandeln.
Im Zuge einer umfassenden und schmerzlosen Untersuchung führt Ihr Augenarzt folgende Schritte durch:

Einige dieser Untersuchungen sind möglicherweise nicht bei jedem Patienten erforderlich. Die Untersuchungen müssen u.U. regelmäßig wiederholt werden, um festzustellen, ob die glaukombedingte Schädigung mit der Zeit zunimmt.

Messung des intraokularen Drucks (Tonometrie):

   

Der Augeninnendruck gehört zu den Körperkonstanten wie Temperatur, Puls oder Blutdruck. Ein Augeninnendruck unter 23 mmHg gilt als normal.

Bild mit freundlicher Genehmigung aus
Glaukom-Atlas, Pharmacia&Upjohn

Gesichtsfeld mit beginnenden Defekten:

die Sehnervenscheibe (Papille) wird durch einen langdauernd erhöhten Augeninnendruck ausgehöhlt (der hellere Anteil im Bild oben); dies ist ein wichtiges Zeichen für das Fortschreiten der Erkrankung

Im Zentrum des Gesichtfeldes liegt der Punkt des schärfsten Sehens und damit die höchste Lichtempfindlichkeit. Die dunkle Flächen stellen Gesichtfeldausfälle dar, sie nehmen beim unbehandelten Glaukom zu.

Bei wem besteht die Gefahr eines Glaukoms?

Ein hoher Druck allein bedeutet noch nicht, daß Sie ein Glaukom haben. Bei der Bestimmung, ob bei Ihnen die Gefahr eines Glaukoms besteht, zieht Ihr Augenarzt viele verschiedene Faktoren in Betracht.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

Der Augenarzt wägt all diese Faktoren ab, bevor er entscheidet, ob ein Glaukom zu behandeln ist oder ob lediglich weiter überwacht werden sollten. Dabei wird überprüft, ob die Gefahr der Glaukombildung bei Ihnen größer als normal ist und ob Sie regelmäßig untersucht werden müssen, damit die Frühzeichen einer Schädigung des Sehnervs festgestellt werden können.

Wie wird das Glaukom behandelt?

Eine Schädigung des Sehnerven durch ein Glaukom ist in der Regel nicht umkehrbar. Mit Augentropfen, Tabletten, Laser und chirurgische Eingriffe wird eine weitere Schädigung verhindert oder verlangsamt.
Bei allen Arten Glaukom sind periodische Untersuchungen sehr wichtig, um einen Verlust der Sehkraft zu verhindern. Weil sich ein Glaukom verschlechtern kann, ohne daß Sie es merken, muß Ihre Behandlung u.U. gelegentlich geändert werden.

Medikamente

Ein Glaukom wird normalerweise mit Augentropfen behandelt, die ein- oder mehrmals am Tag genommen und manchmal mit Tabletten (Carboanhydrase-Hemmer, z.B. Diamox, Glaupax) kombiniert werden. Diese Medikamente erniedrigen den Augendruck, entweder indem sie die Produktion der wässrigen Flüssigkeit im Auge (Kammerwasser) verringern oder deren Abfluss durch den Kammerwinkel (Trabekelwerk) verbessern.
Damit diese Medikamente erfolgreich sind, müssen sie regelmäßig und ohne Unterbrechung eingenommen werden. Außerdem ist es wichtig, daß Sie all Ihre behandelnden Ärzte über die Augenmedikamente informieren, die Sie nehmen. Im Falle der Anwendung der genannten Tabletten sollte regelmäßig (anfangs alle 3, später alle 6 Monate) eine Untersuchung des Blutbilds erfolgen.
Glaukommedikamente können, wie alle anderen Arzneimittel auch, Nebenwirkungen haben. Benachrichtigen Sie Ihren Augenarzt sofort, wenn Sie den Verdacht haben, daß bei Ihnen solche Nebeneffekte auftreten.
Manche Augentropfen können beispielsweise folgende Nebenwirkungen haben:

Tabletten (Carboanhydrase-Hemmer, z.B. Diamox, Glaupax) rufen gelegentlich folgende Nebenwirkungen hervor:

Diese Effekte sind größtenteils auf eine zu starke Erniedrigung des Kaliums im Blut zurückzuführen und können durch entsprechenden Ersatz (Obst und Gemüse, vor allem Aprikosen und Bananen) vermieden werden.

Laserchirurgie

Eine Behandlung durch Laserchirurgie kann bei verschiedenen Arten Glaukom wirkungsvoll sein. Ein Laser wird normalerweise auf zwei verschiedene Weisen angewendet.
Beim Offenwinkelglaukom wird das Trabekelwerk im Kammerwinkel direkt behandelt. Dabei wird der Kammerwasserabfluss unter Verwendung des Lasers verbessert (Laser-Trabekuloplastik), damit der Augendruck niedriger wird. Der Effekt dieser Behandlung hängt sehr von der Pigmentierung dieses Trabekelwerks ab, deshalb kann die Entscheidung zu dieser Behandlung nur individuell von Ihrem Augenarzt getroffen werden.
Beim akuten oder chronischen Winkelblockglaukom macht der Laser eine kleine Öffnung in die Iris (Iridotomie), damit der Fluss der Kammerwasserflüssigkeit zum Trabekelwerk verbessert wird.

Schema einer Laser Behandlung des Kammerwinkels zur Senkung des intraokulären Druckes

   

Mit Hilfe des Laserstrahles werden in das Trabekelmaschenwerk kleine Herde gebrannt.

Bild mit freundlicher Genehmigung aus
Glaukom-Atlas, Pharmacia&Upjohn

Operation

Wenn eine Operation zur Bekämpfung des Glaukoms nötig ist, benutzt Ihr Augenarzt Miniaturinstrumente, um einen neuen Abflusskanal für die Kammerwasserflüssigkeit aus dem Auge zu schaffen. Der neue Abflusskanal hilft, den Augendruck zu verringern.
Ernste Komplikationen sind bei modernen Glaukomoperationen selten. Es können jedoch, wie bei allen Operationen, auch hier Komplikationen auftreten. Eine Sehverbesserung ist dabei natürlich nicht zu erwarten, gelegentlich kann sogar eine spätere mäßige Sehverschlechterung durch eine Linsentrübung beobachtet werden. Eine Operation ist deshalb nur dann zu empfehlen, wenn Ihr Augenarzt es für besser hält zu operieren, anstatt eine weitere Schädigung des Sehnervs zu riskieren.

Schema einer Filter-Operation zur Senkung des intraokulären Druckes

   

Durch eine kleine Öffnung in der Lederhaut kann das Kammerwasser unter die Bindehaut abfließen.

Bild mit freundlicher Genehmigung aus
Glaukom-Atlas, Pharmacia&Upjohn

Was ist Ihre Aufgabe bei der Behandlung?

Zur Behandlung eines Glaukoms ist ein "Team" nötig, das aus Ihnen und Ihrem Arzt besteht. Ihr Augenarzt kann Medikamente für das Glaukom verschreiben, aber nur Sie allein können Ihre Augentropfen oder Tabletten nehmen.
Hören Sie niemals auf, die verschriebenen Augentropfen anzuwenden oder die Medikamente einzunehmen. Ändern Sie nie die antiglaukomatöse Therapie, ohne dies zuerst mit Ihrem Augenarzt zu besprechen. Häufige Augenuntersuchungen und Tests sind zur Überwachung Ihrer Augen und zur Feststellung von Veränderungen von wichtiger Bedeutung. Denken Sie daran, es geht um Ihr Sehvermögen, und Sie müssen Ihren Teil tun, damit es erhalten bleibt.

Der Verlust der Sehkraft ist zu verhindern

Regelmäßige Augenuntersuchungen können dazu beitragen, unnötigen Verlust der Sehkraft zu vermeiden. Untersuchungen sollten wie folgt stattfinden:

Alle 2 Jahre

Jedes Jahr

 


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zuletzt bearbeitet - last updated: 10.03.02