Dr. Johann Müller - Augenarzt & Homöopath...
Psychosomatik des Glaukoms
Zusammenfassung eines Vortrags
diese Zusammenfassung eines Literaturreferates soll Anregungen für eine weitere Beschäftigung mit diesem Thema bieten; ich bitte, Mängel in der Ausarbeitung nachzusehen.
Einleitung: warum Psychosomatik des Glaukoms als Thema?
klinische Erfahrung der "Glaukompersönlichkeit" (zwanghaft-ängstlich besorgt)
Gewinnung v.Anhaltspunkten für die weitere Bearbeitung des Themas
Diagnostik: Untersuchungen auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale
Weinstein,Dobossy: Neigung zu Aggressivität , wird unterdrückt
Holtmann: Fragebogentest MMPI (MinnesotaMultiphasicPersonalityInventory)
556 Fragen werden gestellt, 80-120 Minuten pro Test!
Resultat: erhöhte Werte für die Skalen Hypochondrie-Depression-Hysterie (von 8 klinischen Skalen)
v.a. bei männlichen Patienten auffallende Übereinstimmung mit dem Profil von Neurotikern mit psychosomatischen Erscheinungen.
"Es ist durchaus denkbar, daß die komplizierten Mechanismen der Produktion und es Abflusses von Kammerwasser über den vegetativen Betriebsapparat des Auges durch Emotionen so gestört werden , daß eine vorübergehende oder dauernde Drucksteigerung resultiert"
"Das Erleben stellt somit eine ebenso wirksame Störquelle für die selbsttätigen Regulationsvorgänge dar wie primär somatische Veränderungen."
Magitot: das primäre Glaukom als eine Krankheit der Affektivität
Böhringer et al.: "wie günstig und überraschend oft nur der Milieuwechsel und eine allgemeine Entspannung den Augendruck beeinflußen.."
Grignolo et al.: dienzephale Entstehung, häufiges Auftreten von anderen psychosomat.Erkrankungen wie Magengeschwür, Bronchialasthma, Koronarinsuffizienz
Böhringer:
die Psychologie des Auges,seine Bedeutung in der Organsprache:
-oft genitale Bedeutung d. Auges bei Schizophrenen (Bleuler) vergleiche auch Groddeck!
emotionelle Beeinflußung des Augeninnendrucks:
-häufiges Zusammentreffen akuter Glaukomfälle mit dem Tod eines Elternteils;
-die meisten seiner Glaukompatienten hatten sexuelle Störungen (Frigid./Impotenz) (Schoenberg)
-die i.o.Drucksteigerung kann nicht im gleichen Sinn wie die Blutdrucksteigerung als Affektphänomen aufgefasst werden (durch Hypnose RR-Erhöhung induzierbar,ohne Beeinflußung des IOD=> keine direkte Koppelung v.IOD u. RR) (van Alphen& Stokvis)
-frustrierende Situationen im Moment des Glaukomausbruchs; den Glaukomkranken ist die gleiche Art des Verhaltens u. Reagierens eigen wie den essentiellen Hypertonikern (Gestörte Anpassungsfähigkeit an die sozialen Gegebenheiten; abnorme Stimmungsschwankungen,Ängstlichkeit,Hypochondrie; 2/3 waren impotent/frigid) (Ripley&Wolff)
-Phänomen des Weinens und der Tränen im Zusammenhang mit dem Glaukom; häufiges Weinen bei Gl.-Pat. (Ripley&Wolff)
-psychophysische Geschehnisse beim Erlebnis von hell u. dunkel -Dunkelprobe als Provokationstest (nicht nur durch Mydriasis erklärbar) (Feigenbaum,Seidel)Angst vor dem Dunkeln?
Ergebnisse:
psychopathologisch: ängstlich-hypochondrisch, Neigung zu depressiven Verstimmungen,Zwängen u. Phobien
Sexuelle Störungen (Frigidität,Impotenz)
Affektlabilität
Rorschach-Test: eher extrovertierte Menschen, deren Affektentladungen durch Neigung zu Verdrängungen,Depressionen und Verstimmungen gehemmt sind; werden bei vielen Menschen mit neurotischer Lebensentwicklung gefunden,nicht für Glaukompatienten typisch: -> Frage der Organwahl
zur Organwahl: beim Glaukompat. ist möglicherweise eine gesteigerte visuelle Erlebnisfähigkeit vorhanden, deshalb die hervorragende Stellung des Auges als Organ in der Depression des Glaukomkranken?
eine ausgesprochene Angst vor dem Dunkeln (die aber bei vielen Angstzuständen u. Depressionen vorhanden ist)
Schlußfolgerung: es gibt viele Hinweise, daß das Glaukom als psychosomatische Erkrankung zu werten ist; zur Beantwortung der Frage der Organwahl sind die auffallenden Veränderungen im visuellen System besonders wichtig. ->Weinen, Dunkelangst
inneres/äußeres Sehen
besondere Bedeutung des Sehens für den Glaukompatienten (deshalb die Organwahl?)
trifft das auch auf das innere Sehen (Träume, Visionen) zu? vgl.Groddeck
Therapie: (Schultz-Zehden)
autogenes Training (auch als Mittel zur Selbsterfahrung) "das entscheidende Agens ist das Selbst-tätig-werden"
in Verbindung mit gruppendynamischen Gesprächen
formelhafte Vorsatzbildung, auf den Betroffenen und seine Krankheit abgestimmt ( s.a.Kaluza&Strempel)
"Sehtraining"
Glaukomabende nach dem abgeschlossenen Kurs regelmäßig (ca alle 2-3 Monate),auf denen die Pat. über ihre Formeln u. ihre Selbsterfahrung mit d. Autog. Tr. berichten können.
wichtig ist das Gruppenerlebnis!(Schultz-Zehden)
katathymes Bilderleben (Psychotherapie mittels Tagtraumtechnik nach Leuner)
Literatur:
BöhringerHR,MeerweinF,MüllerC: Zur Psychiatrie des primären Glaukoms. KlinMBlAugenheilk. 123(1953), 283-302
GrignoloFM,BongioanniC,Boles CareniniB: Der intraokulare Druck bei psychischem Streß. KlinMBlAugenheilk. 170(1977), 562-569
GroddeckG: Psychoanalytische Schriften zur Psychosomatik. Vom Sehen, von der Welt des Auges und vom Sehen ohne Augen. Limes Verl., Wiesbaden 1966, 263-331
HoffmannSO,HochapfelG:Neurosenlehre,Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin. Schattauer Stuttgart,New York 1995
HoltmannHW: Experimentelle Untersuchungen zur Persönlichkeitsstruktur von Glaukomkranken. KlinMBlAugenheilk.165(1974), 604-610
KagerE: Zur Psychosomatik des Glaukoms. Diplomarbeit an der techn.Universität Berlin, 1985
KaluzaG,Strempel I: Autogenes Training in der Augenheilkunde. Kaden Verlag, Heidelberg 1994
LeunerH,HennigH,FikentscherE:: Katathymes Bilderleben in der therapeutischen Praxis. Schattauer Verlag Stuttgart 1993
MagitotA: Thalamus et Glaucome. AnnOculist180(1947)1
Schultz-ZehdenW: Psychosomatische Einflüsse auf das Glaukom. Das autogene Training als unterstützende Therapie. Augenspiegel Heft2(1975)2-7
ders.: Der Einfluß psychotherapeutischer Maßnahmen auf die Behandlung des Primärglaukoms. DerAugenarzt 11(1977), 368-379
ders., BischofF: Auge und Psychosomatik. Dtsch.Ärzteverlag,Köln 1986
Weinstein P,Dobossy M: Psychosomatische Faktoren in der Augenheilkunde KlinMBlAugenheilk.166(1975),537-539
© : Dr.Johann Müller, Tempelhofer Damm 179, 12099 Berlin
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